Fabulous Amsterdam.

Schon länger ist uns die Idee durch den Kopf gegangen, dass ein Trip nach Amsterdam genau das Richtige für uns ist. Denn das etwa 600 km entfernte Amsterdam hörte sich immer nach einer gehörigen Portion Inspiration und Gemütlichkeit an. Am besten müsste man dorthin trampen, sagten wir uns. Das würde die Kurzreise zu einem bezahlbaren Abenteuer machen.

Am Freitag, den 08.05.09, in der Frühe 7.30. begann das Trampen ab Eisenach. Uns begegnete die erste Hürde, als wir uns gerade noch im Taumel der frischen Morgenstunde auf die bevorstehende Reise freuten. Ein Berg zur Autobahn direkt über uns musste erklommen werden! Wir brauchten eine Weile, um an jene angeblich gut gelegene Raststätte zu gelangen. Außerdem schob der Nieselregen sich mit grauer Wolkendecke über unsere Kapuzen. Jedoch kein Grund für uns zu trotzen! Mit nur drei Fahrten oder Etappen, wie man es nennen möchte, erreichten wir zufrieden und überaus gespannt das abendliche Amsterdam. Der sympathische junge Italiener Danielo entließ uns aus seinem Bus, nachdem wir die letzten 300 km auf seinem Vordersitz mit ihm geteilt hatten.

Unser bevorstehendes Treffen mit dem Gastgeber für die kommenden zwei Nächte war bereits geplant. Nach einem stärkenden Abendbrot und dem ersten Bier, zogen wir mit Aaron zu einer Studentenbar, um das Freitagabend-Flair in dieser seltsam bunten Stadt aufzusaugen.

Der Samstag begann mit einem Frühstück im Westpark nah des Stadtzentrums. Wir wanderten erst zögernd, später zielstrebiger durch die belebten Straßen. Fahrräder klingelten durch die Gassen und Menschengeplauder drang aus jeder Richtung hervor. Natürlich wollten wir unser Touristen-Dasein so gut wie möglich verstecken. Also verstauten wir Straßenkarte und Fotoapparat, wenn wir nicht gerade an jeder Ecke stehen blieben, um ein besonders architektonisches Gebäude optisch festzuhalten oder nach dem Weg zu schauen. Dennoch touristisch unternahmen wir eine Bootstour durch die Amsterdamer Grachten, die wir uns auf keinen Fall entgehen lassen wollten. Zudem erhielten wir Einsicht in die Geschichte der Stadt und umschifften den zum Teil sehr vielfältig gestalteten Hafen. Anschließend machten wir einem Besuch auf dem Markt & ergatterten neben einigen interessanten Funden auch Ingredentien für das Abendessen. Wieder zurück im nächtlichen Tumult der Innenstadt, wurde eine edle und zugleich lose-lebende Atmosphäre spürbar. Es ist eine merkwürdige Mischung, auf die man zwischen all den verschiedenen Schildern, sich kunterbunt Tummelnden und bizarr anmutenden Straßenzügen stößt. Gediegen zogen wir uns mit einer Flasche Wein an den Hafen zurück und sahen den Lichtern beim Blinken zu.

Am Sonntag begaben wir uns abermals in den nahe liegenden Park, in dem wir unter strahlender Sonne unser Marmeladenfrühstück verputzten und uns dem Postkartenschreiben – als Beweismaterial – zuwandten. Unerwarteter Weise begann dort bald ein exquisites Jazzkonzert, dem wir genussvoll unter den grünen Baumwipfeln lauschten. Doch das grüne Paradies konnte uns nicht ewig haben! Wir mussten weiter. Noch einmal schlenderten wir Gasse um Gasse durch Amsterdam, mitunter erkannten wir die Straßen sogar vom Vortag wieder, sodass uns die Orientierung auch ohne Straßenkarte leicht fiel. Wir hielten die Augen offen, streiften rundherum wie neugierige Galeriebesucher, die hungrig auf alles sind, was ihr Verlangen nach Außergewöhnlichem, Exotischem stillt.

An jenem Abend übernachteten wir bei Irfan, dem gastfreundlichen Pakistaner, unserem ersten Couchsurfingprojekt! Er führte uns zum Abschluss des Tages in einen ruhigen Park und erklärte uns für den nächsten Tag den Weg hinaus aus der Stadt. Montagmorgen wartete die Heimfahrt mit ihrer Frage auf uns: Würde alles wieder so erfolgreich verlaufen wie auf der Hinfahrt? Wir zwei Glückspilze fanden den Anschluss an die Autobahn recht schnell und erreichten nach fünf Mitfahrgelegenheiten abends um acht wieder die heimatlichen Gefilde. Prädikat: Ein todsicherer Trip mit Abenteuergarantie und eben jener Inspiration!

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